1850 hat der Kongress der
Vereinigten Staaten von Amerika mit überwältigender Mehrheit das Gesetz
über geflüchtete Sklaven (“Fugitive Slave Law”) verabschiedet. Sklaven,
die geflüchtet waren, mussten ihren Eigentümern unverzüglich
zurückgegeben werden. Niemand durfte ihnen helfen. Wer einem
geflüchteten Sklaven half, sollte streng bestraft, wer ihn seinem
Eigentümer zurückgab, sollte belohnt werden. Sklaven konnten nicht
einmal vor Gericht ziehen. Sie hatten kein Recht dazu. Vom heutigen
Standpunkt aus gesehen, ist die Debatte, die der Verabschiedung
vorangegangen war, bezeichnend. Sie drehte sich um Eigentumsrechte. Die
Logik dieser gelehrten Männer (Frauen wählten nicht und wurden auch
nicht gewählt) basierte auf juristischer Tradition: die Größe der Nation
hing von der rechtlichen Sicherheit ab, die Eigentum schützte. Sklaven
waren keine Menschen. Sie waren Gegenstände (die Griechen nannten sie
„sprechende Instrumente“), und Gegenstände haben keine Rechte. Demnach
musste jeder wahrhaft patriotischen Herr in Anlehnung an das Gesetz
handeln und jenen dunklen, verängstigten „Gegenstand“ dem rechtmäßigen
Eigentümer, aus dessen Hände er geflüchtet war, wieder zurückgeben.
In diesem Zusammenhang kommt einem
die Geschichte mit den zwei Boxchampions in den Sinn, die nach dem
Panamerikanischen Spielen versucht haben, in Brasilien Schutz zu finden.
Ihre Namen sind Guillermo Rigondeaux and Erislandy Lara. Sie wollten
nach Deutschland ziehen, begleitet von berufsmäßigen Veranstaltern mit
denen sie in geheimen Kontakt gewesen waren. Sie wären Profiboxer und
–angesichts ihrer Fähigkeit, Schläge zu verteilen und einzustecken-
sicherlich auch in kürzerer Zeit Millionäre geworden. Scheinbar hat
Fidel Castro, der Eigentümer der beiden Jungs, persönlich mit dem
brasilianischen Präsident Lula da Silva gesprochen und verlangt, dass er
kooperiert und ihm die verlorengegangene Handelsware zurückgibt. Lula,
der die Logik der Sklavenhändler versteht, hat Mitleid mit dem alten und
kranken Diktator gehabt. Der arme Fidel hat die Boxer ja großgezogen und
hat sie durch gute Trainer aufgebaut. Die Neger gehörten ihm. Lula hat
deswegen seine Polizei geschickt, ihre Arbeit zu erledigen.
Diese traurige Anekdote zeigt die
wahre Natur des kubanischen Regimes, die Art und Weise wie Fidel Castro
seine Autorität über seine Untertanen ausübt und die Art der Beziehung,
die er mit anderen Nationen pflegt. Kurz nach dem „Zwischenfall“ hat er
erklärt, dass keine kubanischen Athleten an den nächsten internationalen
Wettbewerben teilnehmen würden. Diese finden in den Vereinigten Staaten
statt, und Castro fürchtet eine Massenflucht
seiner Athleten. Zu seinem
Pech kommt noch hinzu, dass das Fugitive Slave Law nach dem
amerikanischen Bürgerkrieg außer Kraft gesetzt worden ist und die
Vereinigten Staaten Eigentumsrechte nicht mehr respektieren. Präsident
Bush ist nicht Lula und würde die undankbaren Fahnenflüchtigen nicht
zurückgeben. Vor kaum 3 Jahren, haben 50 kubanische Tänzer, die nach Las
Vegas gereist waren, um eine Revue zu inszenieren, ihren Wunsch
kundgetan, frei zu sein und mit ihren Leben anzufangen, was sie mochten,
und das perfide Imperium hat ihnen auch noch erlaubt, in den Vereinigten
Staaten zu bleiben. Fidel Castro fühlte sich um seinen Besitz gebracht.
Böse Gringos!
Für Fidel Castro ist Kuba eine
große Hacienda, wo alles,
was existiert oder wächst, ihm gehört. Weil die Kühe ihm gehören, wird
das versteckte Schlachten einer Kuh, um eine hungrige Familie zu
ernähren, mit 7 Jahre Gefängnis geahndet. Das ist mehr als das
Strafgesetz für manch einen Mörder vorsieht. Ihm gehören auch die
Langusten, die langsam über den Boden der kubanischen Küstengewässer
krabbeln. Eine Languste zu fangen, um den eigenen Hunger zu stillen, ist
ein Verbrechen so ernst wie einst das Wildern in königlichen Gehegen.
Was am schwierigsten zu verstehen
ist, ist Präsident Lula da Silvas gemeine Kooperation mit dieser
Infamie. Ist er nicht angeblich der erste lateinamerikanische Präsident
aus der Arbeiterklasse? Der Führer der besser verstehen kann als
irgendjemand sonst die Tragödie der Unterdrückten? Hat er gedacht, dass
die Freiheit dieser zwei armen schwarzen Boxer nicht so wichtig sei?
Könnte sein. So haben Sklavenhändler gedacht. Immerhin, Brasilien war
das letzte Land der Welt, das die Sklaverei abschaffte. Das war 1888.
Kuba war 1886, das vorletzte Land, das den Sklaven die Freiheit
gewährte. Die Mentalität der Händler von Menschen – ich meine, von
Gegenständen – lebt in
beiden Ländern fort. Ich wusste, dass Fidel Castro einer von diesen
Sklavenhändlern war. Mir war nicht klar, dass Lula auch einer ist.